robertwaghorn (CC0), PixabayRusslands Entscheidung, eine groß angelegte Invasion der Ukraine zu beginnen, hat das Land nach einer neuen Studie bereits rund 450.000 Menschenleben gekostet. Die Untersuchung schätzt zudem, dass die Gesamtzahl der Opfer des Krieges inzwischen die Marke von zwei Millionen überschritten hat.
Die vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) veröffentlichte Analyse geht davon aus, dass Russland insgesamt etwa 1,4 Millionen Verluste erlitten hat. Darunter fallen getötete, verwundete und vermisste Soldaten. Diese Zahl entspricht ungefähr einem Prozent der russischen Gesamtbevölkerung.
Die Verluste verteilen sich jedoch nicht gleichmäßig über das Land. Besonders arme Regionen sowie ethnische Minderheiten sind deutlich stärker betroffen. In russischen Oppositionsmedien häufen sich Berichte über abgelegene Dörfer, deren männliche Bevölkerung nahezu ausgelöscht wurde. Gleichzeitig kommt die Studie zu dem Schluss, dass Russland derzeit nicht mehr genügend neue Soldaten rekrutieren kann, um die Verluste auszugleichen.
Die Studienautoren Seth G. Jones und Riley McCabe bezeichnen diese Zahlen als außergewöhnlich. Ihrer Einschätzung nach übersteigen die russischen Todesopfer in der Ukraine die Gesamtzahl aller im Krieg gefallenen US-Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg um mehr als das Vierfache. Zudem seien sie mehr als neunmal höher als sämtliche sowjetischen und russischen Kriegsverluste seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Für die Ukraine schätzt die Studie zwischen 525.000 und 625.000 Verluste. Davon sollen zwischen 125.000 und 150.000 Soldaten ums Leben gekommen sein.
Weder Russland noch die Ukraine veröffentlichen offizielle Angaben zu ihren militärischen Verlusten. Die neuen Zahlen des CSIS bewegen sich jedoch im Rahmen westlicher Schätzungen.
Nach Angaben der Autoren entwickelt sich der Krieg für Russland inzwischen deutlich verlustreicher als für die Ukraine. Im ersten Halbjahr dieses Jahres habe sich das Verhältnis der Verluste auf nahezu acht zu eins erhöht. Das bedeutet, dass auf jeden getöteten, verwundeten oder vermissten ukrainischen Soldaten etwa acht russische Soldaten kommen.
Während eines Großteils des Krieges lag dieses Verhältnis noch bei zwei bis drei russischen Verlusten auf einen ukrainischen. Als Hauptgrund für den jüngsten Anstieg nennen die Autoren die Fortschritte der Ukraine im Bereich der Drohnentechnologie. Insbesondere sei es gelungen, die sogenannte „Todeszone“ rund um die Front erheblich auszuweiten. Dieser Bereich sei inzwischen so stark mit Drohnen überwacht, dass russische Truppen ihn kaum noch betreten könnten.
Nach Einschätzung der Studie trägt außerdem die ukrainische Verteidigungsstrategie wesentlich dazu bei, russische Soldaten auszuschalten und deren Bewegungsfreiheit stark einzuschränken.
Weitere Ursachen für die hohen russischen Verluste sehen die Autoren in der russischen Abnutzungsstrategie, unzureichender Koordination verschiedener Truppengattungen, taktischen Schwächen, mangelhafter Ausbildung, Korruption sowie einer niedrigen Moral innerhalb der Streitkräfte.
Insgesamt zeichnet die Untersuchung ein erschütterndes Bild des Krieges. Mit schätzungsweise zwei Millionen getöteten, verwundeten oder vermissten Soldaten und Zivilisten könnte der Krieg in der Ukraine hinsichtlich der Gesamtverluste inzwischen sogar die Schlacht von Stalingrad übertroffen haben, die lange als eine der blutigsten Schlachten der Geschichte galt.


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