Trump entdeckt seinen inneren Obama – und die Iraner reiben sich die Augen

Trump entdeckt seinen inneren Obama – und die Iraner reiben sich die Augen

Veröffentlicht

Freitag, 19.06.2026
von Red. TB

Die Weltpolitik schreibt manchmal Geschichten, die selbst Hollywood als zu unrealistisch ablehnen würde.

Da verbringt Donald Trump Jahre damit, Barack Obamas Iran-Abkommen als „den schlechtesten Deal aller Zeiten“ zu beschimpfen, kündigt es medienwirksam auf, verhängt Sanktionen bis zur Schmerzgrenze – und präsentiert nun sein eigenes Abkommen mit Teheran.

Und plötzlich fragen sich selbst wohlwollende Beobachter: Moment mal, kennen wir das nicht irgendwoher?

Natürlich gibt es Unterschiede. Schließlich wäre es politisch schwierig zu erklären, wenn Trump einfach Obamas Vertrag kopiert hätte. Deshalb wurde das Ganze etwas größer, etwas teurer und etwas dramatischer gestaltet.

Obama hatte einst Sanktionserleichterungen und 1,7 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt.

Trump denkt offenbar: Anfänger.

Jetzt reden wir über Sanktionserleichterungen, eingefrorene Vermögen und einen Wiederaufbaufonds von mindestens 300 Milliarden Dollar. Man könnte sagen: Wenn schon Deal, dann richtig.

In Teheran dürfte man sich derzeit fragen, warum man eigentlich jahrelang gestritten hat. Das Ergebnis scheint jedenfalls deutlich lukrativer ausgefallen zu sein als viele erwartet hatten.

Besonders faszinierend ist die Begründung. Der Iran verspricht, keine Atomwaffen bauen zu wollen. Das versprach er allerdings auch schon im Obama-Abkommen.

Neu ist dagegen die Straße von Hormus.

Die Iraner haben entdeckt, dass man mit einer der wichtigsten Ölrouten der Welt erstaunlich viel Verhandlungsmacht entwickeln kann. Die Amerikaner haben entdeckt, dass steigende Benzinpreise kurz vor Wahlen keine besonders gute Idee sind.

Und plötzlich sitzen alle wieder am Verhandlungstisch.

Die Börsen feiern bereits ausgelassen. Ölpreise fallen, Aktien steigen und die Anleger benehmen sich ungefähr so, als wäre der Weltfrieden gerade für die nächsten hundert Jahre garantiert worden.

Dabei ist bisher vor allem garantiert, dass in den nächsten 60 Tagen weiter verhandelt wird.

Die eigentliche Pointe bleibt aber Donald Trump selbst.

Jahrelang erklärte er, Obama habe den Iran hofiert.

Heute muss er seinen eigenen Anhängern erklären, warum der Iran plötzlich Milliardenhilfen, Sanktionserleichterungen und wirtschaftliche Perspektiven bekommt.

Manche Republikaner nennen das bereits den größten außenpolitischen Fehler seit Jahrzehnten.

Andere nennen es Diplomatie.

Und irgendwo sitzt Barack Obama vermutlich mit einem Kaffee in der Hand, liest die Schlagzeilen und denkt sich:

„Interessantes Konzept. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

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MIH83 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Freitag, 19.06.2026

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