Iran-Deal oder die wundersame Vermehrung fremden Geldes

Iran-Deal oder die wundersame Vermehrung fremden Geldes

Veröffentlicht

Dienstag, 16.06.2026
von Red. TB

Am Freitag soll das große Iran-Abkommen feierlich unterschrieben werden. In Washington herrscht bereits beste Stimmung. Politiker sprechen von Diplomatie, Milliarden und historischen Erfolgen. Manche Schlagzeilen klingen sogar so, als würde Uncle Sam persönlich einen Lastwagen voller Dollarscheine nach Teheran fahren.

Nur gibt es da ein kleines Problem.

Das Geld gehört den Amerikanern gar nicht.

Die spektakuläre Großzügigkeit mit fremdem Eigentum

Nach den bisherigen Informationen soll der Iran möglicherweise wieder Zugriff auf eingefrorene Vermögenswerte erhalten. Also auf Geld, das ihm ohnehin gehört.

Man stelle sich folgendes Szenario vor:

Ihr Nachbar nimmt Ihnen vor fünf Jahren das Auto weg, stellt es in seine Garage und erklärt nun großzügig vor versammelter Presse:

„Liebe Leute, ich habe beschlossen, ihm sein Auto zurückzugeben. Was bin ich doch für ein großzügiger Mensch!“

Die Reporter applaudieren, Experten diskutieren die historische Bedeutung der Rückgabe und irgendwo wird bereits über die Verleihung des Friedensnobelpreises nachgedacht.

Genau so ungefähr wirkt derzeit die Debatte.

Der 300-Milliarden-Zaubertrick

Besonders spannend wird es bei den kolportierten 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau.

Da könnte man glatt meinen, Donald Trump und JD Vance hätten gerade ihre privaten Sparschweine geschlachtet.

Tatsächlich geht es aber wohl überwiegend um Vermögenswerte, die längst existieren und lediglich eingefroren waren.

Mit anderen Worten:

Wenn die Bank Ihr Konto entsperrt, sind Sie danach nicht plötzlich Millionär geworden. Sie dürfen nur wieder an Ihr eigenes Geld.

Revolutionär ist das ungefähr so sehr wie die Erkenntnis, dass Wasser nass ist.

Historische Transparenz – irgendwann

Natürlich verspricht Washington „vollständige Transparenz“.

Das klingt hervorragend.

Der kleine Schönheitsfehler: Niemand kennt bislang den vollständigen Vertragstext.

Das erinnert ein wenig an jemanden, der stolz verkündet:

„Ich werde euch alles verraten. Komplett. Hundert Prozent. Nur eben erst später.“

Die Kunst der politischen Verpackung

Man muss den Strategen in Washington allerdings Respekt zollen.

Es ist nicht einfach, die Freigabe fremden Eigentums als milliardenschwere Hilfe zu verkaufen.

Das erfordert ein Kommunikationsniveau, das irgendwo zwischen Zaubershow, Marketingkongress und Gebrauchtwagenhandel angesiedelt ist.

Aus „Iran bekommt sein eigenes Geld zurück“ wird plötzlich:

„Amerika ermöglicht historischen Milliardenfonds!“

Das ist ungefähr so, als würde ein Kellner Ihr Portemonnaie klauen, es nach drei Stunden zurückbringen und anschließend Trinkgeld verlangen.

Fazit

Das Abkommen mag wichtige politische und wirtschaftliche Folgen haben. Vielleicht wird es sogar tatsächlich zur Stabilisierung der Region beitragen.

Aber wenn Politiker die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte als amerikanische Großzügigkeit verkaufen wollen, bleibt nur eine Frage:

Für wie dumm hält man eigentlich die Menschen?

Oder anders formuliert:

Wenn ich Ihnen morgen Ihren eigenen Regenschirm zurückgebe – bekomme ich dann auch einen Friedenspreis und 300 Milliarden Dollar Applaus?

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qimono (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Dienstag, 16.06.2026

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