WM-Kommentar: Tore satt, Favoriten marschieren – und Japan rettet den Fußballabend

WM-Kommentar: Tore satt, Favoriten marschieren – und Japan rettet den Fußballabend

Veröffentlicht

Montag, 15.06.2026
von Red. TB

Der zweite WM-Spieltag hatte alles, was Fußballfans lieben: Traumtore, späte Dramen, Aluminiumtreffer, ein kleines Schützenfest und einen Außenseiter, der kurz davon träumen durfte, die Welt zu schocken.

Beginnen wir mit Deutschland. Die Mannschaft von Julian Nagelsmann machte gegen WM-Neuling Curaçao ungefähr das, was man von einem Titelkandidaten erwartet: Sie gewann. Und zwar nicht irgendwie, sondern gleich mit 7:1. Nach einer kurzen Schrecksekunde beim zwischenzeitlichen Ausgleich erinnerte sich die DFB-Elf daran, dass sie eigentlich deutlich besser Fußball spielen kann als der Gegner. Danach wurde Curaçao freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen, dass Weltmeisterschaften manchmal ein sehr harter Arbeitsplatz sind.

Immerhin durfte Livano Comenencia Geschichte schreiben und das erste WM-Tor Curaçaos überhaupt erzielen. Das dürfte auf der Karibikinsel vermutlich noch länger gefeiert werden als die sieben deutschen Treffer.

Auch Schweden zeigte eindrucksvoll, warum man die Tre Kronor bei diesem Turnier auf dem Zettel haben sollte. Beim 5:1 gegen Tunesien präsentierten sich die Skandinavier wie ein Möbelhaus aus ihrer Heimat: effizient, gut organisiert und am Ende steht man plötzlich mit deutlich mehr Toren da, als man erwartet hatte.

Besonders die schwedischen Stürmer machten den Eindruck, als würden sie Konterangriffe beruflich ausüben. Tunesien kämpfte zwar tapfer, doch spätestens als das vierte und fünfte Tor fielen, wirkte es ein wenig so, als hätten die Nordafrikaner bereits den Rückflugplan studiert.

Wesentlich knapper ging es zwischen Ecuador und der Elfenbeinküste zu. Das Spiel war ein Musterbeispiel dafür, dass Fußball manchmal ein seltsames Hobby ist. Über 80 Minuten lang schossen beide Mannschaften Aluminium, dominierten wechselweise das Spiel und vergaßen dabei nur eine Kleinigkeit: das Toreschießen.

Als sich Zuschauer und Kommentatoren bereits mit einem torlosen Unentschieden abgefunden hatten, tauchte Diallo auf und entschied die Partie doch noch für die „Elefanten“. Die Elfenbeinküste schnappte sich damit drei wichtige Punkte und darf nun vom Gruppensieg träumen.

Und dann war da noch Japan gegen die Niederlande.

Die Niederländer führten, kontrollierten die Partie und hatten eigentlich alles im Griff. Ein gefährlicher Zustand im Fußball. Denn sobald eine Mannschaft glaubt, alles im Griff zu haben, beginnt meistens das Gegenteil.

Die Elftal zog sich zurück, verwaltete das Ergebnis und beobachtete vermutlich schon die Tabelle. Währenddessen hatten die Japaner eine völlig verrückte Idee: weiterspielen.

Die Belohnung folgte kurz vor Schluss mit dem 2:2-Ausgleich. Das Ergebnis fühlt sich an wie ein kleiner Sieg für Japan und wie eine sehr teure Lektion für die Niederlande.

Nach diesem WM-Tag steht fest: Die Favoriten Deutschland und Schweden haben ihre Muskeln spielen lassen, die Elfenbeinküste hat sich in Stellung gebracht und Japan hat bewiesen, dass man ein Spiel erst dann abhaken sollte, wenn der Schiedsrichter tatsächlich pfeift.

Oder anders gesagt:

Die Deutschen schossen sieben Tore.
Die Schweden fünf.
Die Niederländer zwei.

Und trotzdem waren am Ende vermutlich die Japaner die glücklichsten Menschen im Stadion.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bildnachweis:

von Autor: Red. TB
am: Montag, 15.06.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv