Manchmal schreibt die Politik die besten Komödien.
Nach seiner Wahlniederlage hätte Viktor Orbán eigentlich die perfekte Gelegenheit gehabt, den Staffelstab an jüngere Kräfte zu übergeben. Stattdessen entschied sich die FIDESZ für die revolutionäre Lösung: Die junge Generation soll kommen – aber noch nicht heute.
Beim Parteitag in Budapest wurde Orbán mit einem Ergebnis wiedergewählt, das selbst nordkoreanische Wahlleiter anerkennend nicken ließ. 729 Delegierte stimmten für ihn, keiner dagegen, acht enthielten sich. Vermutlich aus Versehen oder weil sie gerade ihren Kaffee nachfüllen waren.
Anschließend verkündete der 63-Jährige feierlich, dass die Zeit der „jüngeren Generation“ gekommen sei.
Ein Satz, der bei vielen Parteimitgliedern vermutlich sofort die Frage auslöste: „Schön. Aber wann genau?“
Orbán selbst scheint diese Frage noch nicht abschließend beantwortet zu haben. Sicherheitshalber bleibt er jedenfalls weitere zwölf Monate Parteivorsitzender. Man will die Jugend schließlich nicht überfordern.
Besonders bemerkenswert: Der langjährige Regierungschef übernahm die Verantwortung für die Wahlniederlage. Ein seltenes Ereignis in der Politik. Fast wirkte es, als würde gleich ein Rücktritt folgen.
Tat er aber nicht.
Stattdessen kündigte Orbán an, die Partei neu aufzustellen und fit für die Oppositionsarbeit zu machen.
Das hat etwas von einem langjährigen Hotelbesitzer, der nach dem Verlust seines Hauses beschließt, nun erst einmal einen Kurs zum Thema „Wie werde ich Gast?“ zu besuchen.
Die FIDESZ soll bis zum Herbst an der Basis gestärkt werden. Die junge Generation soll eingebunden werden. Die Zukunft soll vorbereitet werden.
Und Orbán?
Der überwacht das Ganze natürlich persönlich.
Man weiß ja nie.
Am Ende kommt die junge Generation womöglich tatsächlich auf die Idee, die Führung übernehmen zu wollen. Und dafür muss man schließlich vorbereitet sein.
Vorläufig gilt deshalb das neue Motto der Partei:
„Die Zukunft gehört der Jugend – sobald Viktor Orbán ihr die Schlüssel übergibt.“


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