Norwegen beweist einmal mehr, dass selbst königlicher Nachwuchs nicht davor geschützt ist, die Vorteile der Freiheit zu genießen – zumindest solange man das Gericht fragt. Marius Borg Høiby, der 29-jährige Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, darf weiterhin die luxuriösen Gefängnismöbel genießen, während er auf sein Urteil in einem Prozess wegen insgesamt 40 Straftaten wartet. Zuvor hatte ein Bezirksgericht in einem seltenen Anfall von Milde entschieden, ihn freizulassen – vermutlich weil es als überaus menschlich galt, dass er bei der schwer kranken Mutter sein wolle. Aber das Berufungsgericht hat diese sentimentale Idee schnell beendet: Rückfallgefahr, nicht etwa mütterliche Fürsorge, hat Vorrang.
Mette-Marit selbst liegt auf der Warteliste für eine Lungentransplantation – eine Situation, die jeden normalen Menschen dazu bringen würde, Prioritäten zu setzen. Doch für Høiby zählt offenbar die königliche Haftpflicht höher als die häusliche Nähe. Anwälte mahnten noch, dass ihr Mandant „in dieser schwierigen Zeit“ bei seiner Mutter sein müsse. Das Gericht winkte lässig ab: Wer weiß, vielleicht würde er ja wieder Kontakt zu einer Ex aufnehmen – ein Risiko, das man einfach nicht eingehen kann, egal wie königlich die Umstände sind.
Und während Norwegen über Haftbedingungen debattiert, stapeln sich die Anschuldigungen: vier Vergewaltigungen, Gewalt, Drohungen, Drogen, Verkehrsverstöße – und das alles bevor man das erste königliche Frühstück genossen hat. Høiby bestreitet die schwersten Vorwürfe, räumt aber ein paar „leichtere Vergehen“ ein. Man muss ja Prioritäten setzen.
Natürlich wirft der Fall auch einen Schatten auf das Königshaus – auch wenn Høiby offiziell kein Mitglied ist, darf man ihn ja trotzdem in der öffentlichen Debatte präsentieren. Die Familie bekam zusätzlich Schlagzeilen wegen einer früheren Freundschaft der Kronprinzessin mit Jeffrey Epstein. Da kann man fast schon von einem königlichen Doppelpack an Skandal sprechen.
Die Urteilsverkündung steht in wenigen Tagen an. Bis dahin darf Høiby weiterhin die Vorzüge der Untersuchungshaft genießen – eine Lektion in Norwegens unbestechlicher Mischung aus Rechtsstaatlichkeit, Fürsorgepflicht und königlichem Drama.


0 Kommentare